Allygatoren auf unseren Straßen

Viele der Verkehrsinnovationen im Westen haben ihre Wurzeln in den Entwicklungsländern, wie zum Beispiel die neuartigen Fahrdienst-Services. Hierzu zählen unter anderem UBER, Allygator Shuttle, CleverShuttle, Sammeltaxi, Car-Sharing und viele mehr.

Als ich in der „Welt am Sonntag“ (27. November 2016) in einem Artikel mit dem Titel: „Taxi zum teilen“ folgenden Satz gelesen habe, musste ich an meine Jugend am Mittelmeer denken: „Wer in Berlin nicht selbst fahren will, kann in einen „Allygator Shuttle“ einsteigen, ein Kleinbus mit Fahrer, der die Leute von Tür zu Tür bringt – wobei man auf der Strecke zu- und aussteigen kann und sich die Kosten mit anderen teilt.“

Auch das Start-Up Unternehmen ‚‚CleverShuttle’’ gehört zu diesen Fahrdiensten, das seinen Service jedoch auf Limousinen ausrichtet. Und Uber (besonders in Großstädten beliebt) ist nichts anderes als eine Kopie des im Nahen Osten altbekannten Service-Taxis oder des öffentlichen Taxis. Diese Minibusse befördern mehrere Passagiere, die auf derselben Strecke oder in dieselbe Richtung unterwegs sind.

Ein „Service-Taxi“ fährt meistens, wie der orientalische fliegende Händler, einfach durch die Straßen und Gassen der Stadt, um sich dem Bedarf der Kunden anzubieten.

Der Unterschied liegt darin, dass die Passagiere im Nahen Osten sich nicht per App, sondern persönlich ihre Mitfahrgelegenheit suchen, indem sie sich spontan auf den Weg zu den Umschlagpunkten machen und andere Leute ansprechen. Meist sind diese Umschlagplätze entweder Busbahnhöfe oder Hauptstraßen.

Das Prinzip ist einfach: Man tut sich zusammen, chartert ein Taxi und teilt sich den Preis. Die Städte sind voller Menschen, die Straßen sind eng, Parkplätze rar und die Autos sind als Eigentum zu teuer für junge Menschen.

In Deutschland hat ‚‚CleverShuttle’’ gleich zwei große Businesspartner: Audi und die Deutsche Bahn. Dieser Aspekt hat sicherlich auch zu dem rasanten Wachstum des Unternehmens beigetragen.

Seitdem ich mich mit interkulturellen Themen beschäftige, fallen mir diese Beispiele von Interculturing® immer bewusster auf (Interculturing® ist, Erfolgsrezepte von anderen Kulturen kulturgerecht zu adaptieren). Ich staune immer wieder, wie viele Ideen aus Entwicklungsländern in den Westen rüber schwappen. Sie werden dem digitalen Zeitalter gerecht verpackt und finden ihren Weg auf den europäischen Markt: flexibel, dynamisch, umweltfreundlich, wirtschaftlich und vernetzungsfördernd.

Das Auskommen: Flexibilität und Schnelligkeit durch Vernetzung.

Der Klub der neuen Milliardäre

„Der Klub der neuen Milliardäre“ klingt schon einmal sehr eindrucksvoll! Das war der Titel eines Zeitungsartikels in der Welt am Sonntag vom 14. Februar dieses Jahres. Der Artikel befasst sich mit Milliardären aus Schwellenländern und der Herkunft ihres Vermögens.  Anlass zu diesem Thema ist die stark wachsende Zahl von Milliardären in Schwellenländern. Während es 2001 nur 103 Milliardäre in Schwellenländern gab, wares es 2014 schon ganze 705. Unterschieden wird die Herkunft des Vermögens in den Rubriken Erbe, Erdöl, Immobilien und Innovationen. Gestützt wird sich auf das Buch „Rich people, poor countries“ von Caroline Freund. Die Wirtschaftswissenschaftlerin (international Economics) hat die Milliardäre aus Schwellenländern unter die Lupe genommen und deren Weg zum Vermögen analysiert. Freund bezeichnet lediglich die „Gründer“, die Innovateure als „echte“ Unternehmer, da „ihr Wirken auch Werte geschaffen hat, von denen beträchtliche Teile der Gesellschaft profitieren.“ Im Jahr 2001 machten die echten Unternehmer lediglich 12 Prozent der Milliardäre aus Schwellenländern aus, inzwischen liegen sie bei ca. 24 Prozent, -ein größerer Anteil als der der Erben. Freund wird im Artikel mit folgender Aussage zitiert: „Innovative Unternehmer, die große, international ausgerichtete Firmen schaffen, sind die am schnellsten wachsende Kategorie unter den Milliardären der Schwellenländern.“ Dies würde zunächst einmal das Vorurteil entkräften, dass immer ein vorteilhaftes Testament hinter dem Vermögen steckt. Als Beispiel wird unter anderem der Unternehmer Dilip Shanghvi genannt, Gründer des Konzerns Sun Pharmaceutical, der mit einem mickrigen Startkapital von 1000 Dollar ein aktuell 16,6 Milliarden schweres Unternehmen aufbaute. Self-made Milliardärinnen gibt es jedoch zu einem geringeren Anteil und sie kommen meist aus China. Zhou Qunfei, die reichste Chinesin der Welt führt ein 5,3 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, Lens Technology, welches Touchscreens herstellt. Oftmals werden superreiche Unternehmer mit Skepsis beäugt und im Hinterkopf lauert immer der Vorwurf, das Geld sei wahrscheinlich mit skrupellosen oder zwielichtigen Methoden gemacht worden. Es gibt jedoch auch viele Gegenbeispiele von Unternehmern, die mit sozial ausgerichteten Ideen zu einem Vermögen gekommen sind. Der Tscheche Peter Kellner entwarf Home Credit, welches weniger gut betuchten Bürgern von Schwellenländern eine Möglichkeit bietet, Kredite aufzunehmen. Trotz solchen Vorzeige-Milliardären gibt es wie bei allem auch eine Schattenseite, repräsentiert von weniger sympathischen beziehungsweise weniger gemeinschaftlich interessierten Unternehmern. Ein Beispiel ist Terry Gou und seine Firma Foxconn, ein Elektronikzulieferer. Vor einigen Jahren gab es eine regelrechte Selbstmordwelle in dessen Fabriken, da die 1,3 Millionen Angestellten unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften mussten. Diese Erkenntnisse über Schwellenländer sind allemal beträchtlich. Allerdings gibt es natürlich regionale Unterschiede. In Lateinamerika und Ostasien überwiegt zum Beispiel die Zahl der „echten“ Unternehmer, während das Vermögen von Milliardären in osteuropäischen Ländern meistens von Erdöl oder anderen Rohstoffen gestützt wird. In der MENA Region als Zusammenfassung für Nordafrika, den Nahen und den Mittleren Osten, stieg „der Anteil ererbter Vermögen“ sogar beträchtlich in der letzten Zeit. Freund kritisiert, dass in manchen Regionen wie den arabischen Halbinseln das freie Unternehmertum unterdrückt werde und plädiert dafür, dass „heimische Gründer nicht länger behindert werden.“ Außerdem solle man auf den guten Einfluss ausländischer Investoren setzten, die neuen Schwung in die Wirtschaft bringen könnten.

Was hat das jetzt alles mit Interculturing zu tun? Auf eine nicht direkt offensichtliche Art und Weise verknüpfen die oben genannten Milliardäre Konzepte aus mehreren Kulturen. Die meisten Beispiele von Milliardären aus Schwellenländern legen eine große Flexibilität in ihrer Denkweise zutage. Das beruht auf dem einfachen Prinzip: Wer wenig hat, muss kreativ sein um daraus viel zu machen. Die meisten westlichen Milliardärinnen hingegen sind entgegen ihrem Status als äußerst emanzipierte Unternehmerinnen meist Erbinnen. Natürlich orientieren sich viele Milliardäre aus Schwellenländern an den westlichen Prinzipien, um sich mit ihnen messen zu können, allerdings behalten sie ihre eigenen Ideen bei und verknüpfen somit „the best of both worlds“.
Dieses Prinzip ist Inbegriff der Interculturing Philosophie. Von anderen lernen, aber seinen Wurzeln treu bleiben.

Alphatiere auf Safari

Ein Artikel fiel mir sofort ins Auge. „Alphatiere auf Safari“? Hört sich doch gleich sehr spannend an. Mit Alphatieren sind wahrhaftig bekannte Firmenchefs gemeint und die Safari, die sie antreten führt sie ins Silicon Valley in Kalifornien. Anstelle von wilden Tieren will man unbedingt die großen Konzerne wie Apple, Facebook, Google, Twitter oder den Newcomer Uber unter die Lupe nehmen. Es hat sich in den letzten Jahren ein regelrechter „Tech-Tourismus“ entwickelt. Jeder von uns war schon einmal Tourist und weiß, dass man in dieser Definition meist nur das Oberflächliche dessen zu Gesicht bekommt, was man in dem Land erkunden will. Man nimmt den Reiseführer zur Hand und schießt ein paar Erinnerungsfotos aber wie soll man sich so weiterentwickeln? Es wäre manchmal sinnvoller, sich von der Dynamik und der Bevölkerung des besuchten Landes treiben zu lassen, die Atmosphäre wirklich aufzusaugen. So ergeht es auch vielen Besuchern des Silicon Valley, welche sich viel von dem Trip erhoffen aber meist nicht weit genug vordringen können, um die Struktur und die Charakteristiken der Konzerne kennenzulernen. Aus diesem Grund nennt ein deutscher Valley-Kenner laut Welt am Sonntag das Silicon Valley spöttisch „Ballermann der Tech-Szene“. Es ist wichtig, seine Fühler in alle Richtungen auszurichten, denn wie Deutsche Bahn Chef Grube im Artikel metaphorisch mit Blick auf einen Dinosaurier andeutet: „Groß sein nützt nichts. Man kann dennoch aussterben.“ Im Artikel werden Firmen-Chefs wie Peter Terium (RWE), Tim Höttges (Telekom), Johannes Teyssen (E.on) und José Manuel von Esprit genannt, die sich schon einmal auf die Reise gemacht haben, ihren Horizont im Silicon Valley zu erweitern. Besuchen ist gut und schön aber seinen Status als Tourist verliert man erst, wenn man den Firmen vor Ort auch etwas zu bieten hat. „Geschäfte sind die einzigen Türöffner, um in die obersten Chefetagen vorzustoßen“ so heißt es im Artikel. Erst wenn die Konzerne die Möglichkeit sehen, von dem Besucher zu profitieren, kommen Treffen mit wichtigen Firmen-Mitgliedern zustande. Geduld und der Wille, Geschäfte zu machen eröffnen das Gespräch. Im Fall von Tim Höttges von der Telekom ist das ein Gespräch mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, den man wahrhaftig nicht leicht zu Gesicht bekommt. Was kann man im Silicon Valley lernen außer der Unternehmenstruktur bekannter Namen wie Facebook und Co.? Die Herangehensweise an und der Umgang mit Start-Ups kann im Valley erlernt werden. Außerdem ist es immer wichtig, seine Konkurrenz unter die Lupe zu nehmen und einzusehen, dass man als deutsches Unternehmen in vielen Dingen doch nicht „unantastbar“ ist. Sich mit den Unternehmen des Silicon Valley zu messen ist heute ein Muss. Auch in diesem Artikel habe ich viele Grundideen wiedergefunden, die mein interculturing Konzept bestärken. Egal wie gut und erfolgreich man selber ist, es ist immer gut, einzusehen, dass es Aspekte geben wird, in denen andere Firmen oder Einzelpersonen einem überlegen sein werden. Man kann dies verärgert hinnehmen oder sich dem öffnen und versuchen zu verstehen, wo diese Überlegenheit herrührt. Interculturing befasst sich besonders mit dem Lernen von anderen Kulturen, die uns in manchen Dingen nachstehen aber in anderen hingegen überlegen sein können. Das Wichtigste ist nicht, zu jedem Zeitpunkt der oder die Beste in einem Gebiet zu sein, sondern die Offenheit zu haben, sich von Pionieren und innovativen Persönlichkeiten inspirieren zu lassen ohne seinen eigenen Weg aus den Augen zu verlieren.

Speerspitze des Erfolgs

Am Sonntag habe ich die Zeitung aufgeschlagen und mir ist ein Artikel direkt ins Auge gefallen. Der Titel „Speerspite des Erfolgs“, erschienen in der Welt am Sonntag. Meine Neugierde geweckt durch den interessanten Titel, fing ich fasziniert an zu lesen. Hier die Essenz des Artikels: Die westliche Manager-Kultur ist geprägt von Erreichbarkeit, Technologie und Zeitdruck. Schnell verliert man den Bezug zur realen Welt, zu dem, was wirklich wichtig ist für den beruflichen Erfolg. Viele westliche Manager haben das Gefühl, dass das vorherrschende Erfolgskonzept ihnen den Boden unter den Füßen wegreißt und suchen nach Erdung, besser gesagt einem „back to the roots“ Erlebnis. Organisationen wie das Nature Academy Learning Lab zielen auf diese Erfahrungen ab und wollen Manager im Kontakt zu wilder Natur wieder zu ihrer inneren Mitte führen. In der Stille der Natur haben die Teilnehmer die Möglichkeit, konstruktive Langeweile zu entwicklen und in sich hineinzuhorchen. Eine Fähigkeit, die man im dynamischen Alltag sonst sehr schnell verliert. Abgesehen vom Aufenthalt in der Natur verbringen die Teilnehmer Zeit mit den dort wohnenden Urvölkern nach dem Motto „Von den Urvölkern lernen heißt führen lernen.“ Die Urvölker sind flexibel, Kontakt-affin und Spezialisten auf vielen Gebieten. Kurz gesagt: Es gibt vieles, was man als Unternehmer von ihnen lernen kann. Manager arbeiten mittlerweile in so rigiden Strukturen, in vielerlei Hinsicht nach ungeschriebenen Regeln und verlernen, Veränderung anzunehmen und Ideen zu verwirklichen. Es geht darum, sich mit Spontanität und Innovationsgeist seinem Beruf zuzuwenden, sich ab und an auch etwas zu trauen. Dieser Artikel hat mich auch deshalb so interessiert, da das vorgestellte Konzept in vielerlei Hinsicht der interculturing-Philosophie entspricht. Die westliche Kultur besitzt viele tolle Eigenschaften, die für das berufliche Gelingen unabdingbar sind aber trotzdem kann man sich von anderen Kulturen inspirieren lassen und sich profitable Eigenschaften von ihnen abgucken. Dieser Hintergedanke steckt auch hinter den Natur-Expeditionen für Manager. Herausfinden aus den gewohnten Strukturen und Hineinfinden in andere Sichtweisen und Herangehensweisen, die man dann später mit in den beruflichen Alltag zurück nehmen kann. Die Beliebtheit und der Erfolg dieser Reisen suggerieren die Wichtigkeit, sich mit interculturing also dem Wissens-Austausch mit anderen Kulturen zu beschäftigen. Es bedarf nicht immer direkt einer Reise auf den Spuren der anderen Völker aber es ist dennoch wichtig, sich generell mit ihnen zu beschäftigen.

Zum Artikel >